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WENN DAS SMARTPHONE ZU SCHLAU WIRD.


Silver Tech: Tech für alle.

Silver Tech oder Singular Tech. Wenn das Smartphone zu schlau für uns wird.

Die Krise beschleunigt die Digitalisierung der Gesellschaft. Das ist gut so. Davon unberührt bleiben wahrscheinlich viele, denen diese Entwicklung in besonderem Maße helfen würde: Ältere, immobile, mithin isolierte Menschen. Das ist schade. Denn hier schlummert ein riesiges Potential. Gehoben werden kann es durch Silver Tech/Singular Tech.

Mein Patenonkel ist über siebzig und hat ein Smartphone. Eigentlich hat er drei Smartphones. (Fragt mich nicht.) Seine Tochter hat sie ihm eingerichtet. Immer einfacher zu verstehende, intuitiver zu bedienende, neuere Smartphones. Wie er mit mir facetimen, skypen oder zoomen kann, beziehungsweise, wie er mit mir sprechen kann während er mich auf dem Bildschirm sieht, weiß er trotzdem nicht. Mein Patenonkel ist diplomierter Ingenieur. Ein gestandener, schlauer, wacher Mann, der aus dem Stehgreif Vorträge über komplexe Baustatik halten kann. Das heißt aber nicht, dass der Versuch, seine Familie auf den Bildschirm zu holen, nicht in Frustration und einem zerstörten Display endet.

Die Corona-Krise sorgt gerade dafür, dass wir uns voneinander fernhalten müssen, gerade deshalb wollen wir wohl näher beisammen sein als je zuvor. Das zeigt auch die neue Studie von Grabarz JMP. Videotelefonie kann helfen, dieses Problem zu lösen. Vor allem für Risikogruppen ist es wichtig, sich auf diese Weise weiterhin mit Familie und Freunden verbunden zu fühlen.

Aber wir beobachten immer wieder, dass ausgerechnet das Device, das doch alle miteinander verbinden soll, einige in genau dieser Hinsicht hilflos zurücklässt. Ein großer, und, ja, überwiegend alter Teil der Bevölkerung, hat das Gefühl, dem Potential seines Smartphones nicht zu genügen. Alleine die Bezeichnung, Smartphone, scheint schon eine Hürde zu sein. Als müsste man selbst auch besonders smart sein, nur um sein Telefon zu bedienen.

Die Bestrebungen der letzten Jahre waren dabei immer die gleichen: Ein noch leistungsfähigeres Gerät zu entwickeln, eines, das noch mehr Möglichkeiten schafft. Ein Gerät, das alles auf sich vereint.

Aber was, wenn ausgerechnet der Claim, dass dieses Device praktisch alles kann, zum Grund wird, es nicht zu benutzen?

Zumindest, wenn man der Meinung ist, dass man eigentlich nur drei Dinge damit erledigen will. Eines davon ist, in Krisenzeiten, in denen man selbst das Haus nicht verlassen kann, seine Familie zu sehen. Silver Tech, oder Singular Tech, könnte helfen, Vertrauen zu Technologie aufzubauen – und den eigenen Fähigkeiten im Umgang mit ihr. Gemeint sind damit Geräte, die nur eine Funktion haben. Wie ursprünglich Amazons Kindle. Es scheint absurd, aber solche Geräte könnten Menschen wieder mit dem Rest der Welt verbinden, die immer mehr ins Abseits geraten. Ein Gerät, eine Funktion. So einfach, dass es wirklich auf Knopfdruck: funktioniert. Selbst Menschen mit beginnender Demenz könnten sich so ein Stück Nähe und Unabhängigkeit bewahren.

Ein Gerät nur zur Videotelefonie. Ein Gerät nur zum digitalen Einkaufen. Ein Gerät zum Spielen. Ein Gerät nur für die visuelle Anleitung von Bewegungs-, Mobilitäts- und Fitnessübungen, wie das Wandspiegel-große Display der New Yorker Firma Mirror, allerdings radikal vereinfacht. Hier tun sich eine Menge Chancen auf. Für Telekommunikation, Einzelhandel, den Wellness-/Gesundheitssektor. Wenn Skype das singuläre Endgerät gleich mitliefert, bindet es nicht nur die ergrauten User, sondern auch deren Kinder und Enkel bei der Kommunikation mit den Großeltern. Und vielleicht darüber hinaus, im mittlerweile wieder recht kompetitiven Feld der Video-Kommunikation. Wenn REWE das singuläre digitale Einkaufs-Device entwickelt (das sich zu einem späteren Zeitpunkt mit dem intelligenten Kühlschrank koppeln lässt, um den Vorgang bei Bedarf weiter zu automatisieren), kann sich auch eine ältere, tendenziell immobile oder aus Virus-Gründen an die eigene Wohnung gebundene Kundschaft weiterhin selbstständig und unkompliziert versorgen. Und Neues entdecken. Und zwar ausschließlich bei REWE. Und das ist erst der Anfang. Klar ist dabei, dass wir hier keine Abkehr vom universellen digitalen Zentrum unseres Lebens beobachten, dem hochentwickelten Smartphone, sondern eine spezialisierte und vereinfachte Ausprägung, die Menschen in einer vollkommen anderen Lebenssituation wieder zu mehr Freiheit und Zuversicht verhelfen könnte.

“Dem Ingenieur ist nichts zu schwere –

Er lacht und spricht: wenn dieses nicht, so geht doch das!”

Ingenieurlied, 1871

Eben. Krisenzeiten helfen uns, radikaler über Lösungen nachzudenken. Und wenn sich psychologische Barrieren selbst durch die intuitivste Bedienoberfläche nicht weggestalten lassen, dann muss man vielleicht die komplette Schnittstelle neu denken.

Mein Onkel wird sich nicht noch ein viertes Smartphone kaufen. Aber videotelefonieren will er immer noch dringend.

Ein Kommentar zur neuen Studie von Grabarz JMP, Innovationschancen in der Krise: Wie Corona unseren Alltag & Konsum nachhaltig verändert.

Mehr zur Studie hier: https://corona-innovation.grabarz-jmp.de/beduerfnis-studie/

Stephan Schäfer

Stephan Schäfer ist Creative Director und Ideengeber bei der Innovationagentur Grabarz JMP.

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